VERKEHRSFORUM FÜRSTENFELDBRUCK

Presse-Erklärung zum Bundesverkehrswegeplan 2030 - B471 FFB/Ost - Geiselbullach

> Projekt B471-G015-BY-T02- und T03-BY

Engpassbeseitigung B471

1. Fehlende Netzfunktion:

1.1. Die B471 verläuft im Abstand von ca. 10 km parallel zur A96 und A99 West. Die B471 bedient genau wie die A96 und A99 West die Verkehre vom Münchner Norden Richtung Landsberg und Allgäu. Sie hat deshalb – seit der Eröffnung der A99 West - keine überregionale Bedeutung und keine Netzfunktion, da diese Funktion bereits durch beiden Autobahnen erfüllt wird. Die A96 wird bereits 6-streifig ausgebaut, der 6-strreifige Ausbau der A99 West ist bereits im Vordringlichen Bedarf des BVWP 2030. Dadurch ist eine ausreichende Leistungsfähigkeit hergestellt. Es erübrigt sich jeder weitere Ausbau dieser Strecke. Die Engpassbeseitigung ist hinfällig. Die Ursache für Staus liegt sowieso nicht in der Strecke, sondern am Anschlusspunkt der B471 an die A8.

1.2. Die B471 durchquert im weiteren Verlauf die Stadt Fürstenfeldbruck, die Gemeinden Schöngeising und Grafrath. Durch den vierstreifigern Ausbau der B471 bis FFB/Ost wird wesentlich mehr überregionaler Verkehr angezogen, der eigentlich auf die Autobahnen gehört. Vor allem im Ortszentrum von Grafrath ist dieser Mehrverkehr nicht zu bewältigen und Ort und Amper nur mit einem gigantischen sündteuren Tunnelprojekt zu unterqueren. Dieser Teil ist jedoch im BMVP 2030 nicht enthalten. Diese Eng- und Schwachstelle führt den Ausbau der übrigen Strecke ad absurdum.

Wir fordern deshalb …

- … die Rückstufung der B471 von der A8 bis nach Inning zur Staatsstraße, und die komplette Auflösung der B471.

- … den Verzicht auf den vierstreifigen Ausbau.

Aktuelle Beispiele sind die Verlegung der B8 nordwestlich von Regensburg auf die parallel verlaufende A3, ferner die Verlegung eines Teilstückes der B484 auf die A3 und A4.

2. Guter Ausbaustandard:

Die B471 weist einen guten Ausbaustandard auf, mit großen Fahrbahnbreiten, keinen Engstellen und keinen Hindernissen. Sie ist ausreichend leistungsfähig für das bestehende und in näherer Zukunft zu erwartende Verkehrsaufkommen. Durch den geplanten Ausbau des Anschlusspunktes der B471 an die A8 wird der Engpass beseitigt sein.

3. Flächenversiegelung, Naturzerstörung, Artensterben:

Der geplante 7,3 km lange vierstreifige Ausbau führt …

- zu einer weiteren Versiegelung von bisherigen Natur- und landwirtschaftlichen Flächen,

- zur weiteren Zerstörung unserer Kulturlandschaft und Heimat,

- zur weiteren Zerstörung unserer wohnortnahen Erholungsflächen,

- zur weiteren Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen,

- zum weiteren massiven Artensterben in unserem Lande.

Das Ziel des BVWP 2030, den zusätzlichen Flächenverbrauch zu begrenzen, wird durch den Ausbau nicht erreicht. Durch den Ausbau einschl. der damit verbundenen Anschlussstellen, Versorgungsflächen, Schallschutzflächen etc. wird eine enorme Fläche von über 20 ha verbraucht. Für Landwirtschaft, Naherholung und ökologische Flächen steht damit bereits jetzt kaum noch Boden zur Verfügung und diese Situation würde durch die geplante Engpassbeseitigung weiter deutlich verschärft.

Durch die Bodenversiegelung müssten zudem in erheblichen Maße Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden. Diese sind in der Region nicht vorhanden. Sofern sie vorhanden sind, müssten sie von den Landwirten erworben werden. Sie gehen damit der landwirtschaftlichen Nutzung verloren. Dadurch wird die Existenzgrundlage zahlreicher ortsansässigen Bauern bedroht.

Das Ziel des BVWP 2030, den Verlust von unzerschnittenen Räumen soweit wie möglich zu verhindern, wird nicht erreicht. Eine vierstreifige Straße (vermutlich mit beidseitigen Wildschutzzäunen) ist für Tierwelt eine unüberwindbare Barriere. Der genetische Austausch, der wichtig ist für die Artenvielfalt, Biodiversität und gegen das Artensterben, wird dauerhaft unterbunden.

4. Städtebau, Naherholung, Tourismus:

Die Gebiete des ländlich geprägten Westens des Landkreises Fürstenfeldbruck sind der Naherholungsraum für den städtisch verdichteten östlichen Landkreis. Wichtige, auch überregionale Fahrradrouten wie z.B. der „Ammer-Amper-Radweg“ führen mitten durch diese Region und stellen einen wichtigen Faktor des Tourismus dar. Die Naherholungsbereiche werden intensiv von Gemeinden beworben, um Neubürger zu motivieren, sich in der Region niederzulassen. Die Funktion als Naherholungsraum würde durch den Ausbau der B471 gefährdet.

5. Verkehrszunahme mit zusätzliche Lärm- und Schadstoff-Belastung:

„Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“ Der vierstreifige autobahnähnliche Ausbau wird mehr Verkehr anziehen, mehr Verkehr, als bisher. Mehr Verkehr und deutlich höhere Geschwindigkeiten induzieren eine höhere Lärm- und Schadstoffbelastung in allen Ortsbereichen und im Naherholungsbereich der Orte. Der Ausbau induziert neuen Verkehr und verstärkt damit die Probleme im umliegenden Verkehrsbereich sowie in der Fortführung der zweistreifigen B471 in Fürstenfeldbruck, Schöngeising und Grafrath. Der geplante vierstreifige Ausbau stellt eine neue, überregionale und zudem autobahnähnliche Verbindung im Netz zwischen A8 und der A96 her, parallel zur A96 und A99. Der Ausbau der B471 erzeugt auch zusammen mit der ausgebauten B2 eine neue überregionale Verbindung parallel zur A8 aus dem Münchner Nordwesten in den Süden von Augsburg. Diese Verbindungen sind total unnötig, da diese Funktion bereits von der leistungsstarken Autobahnen erfüllt wird. Die Neuplanungen werden daher einen erheblichen Neuverkehr induzieren, der sich auch auf die Nebenstrecken auswirken wird.

6. Falsche Verkehrsprognosen:

Der Bewertung des Ausbaues und des gesamten BVWP liegen Verkehrsprognosen zu Grunde. Diese Prognosen werden angezweifelt. Sie schreiben aktuell lediglich Entwicklungen der Vergangenheit fort und waren in den vergangenen Jahren regelmäßig zu hoch angesetzt. Sie tragen aktuellen Entwicklungen nicht Rechnung, die zu einem geringeren Verkehrsaufkommen führen werden und insbesondere durch die Verpflichtungen der BRD im Klimaschutzabkommen mittelfristig induziert werden müssen.

7. Klimarelevanz:

Das gigantische Straßenneu- und -ausbauprogramm ist verantwortungslos. Während Industrie und Haushalte Ihre Hausaufgaben machen und CO2 reduzieren, steigt der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor ungehemmt. Die Pflicht des Bundesverkehrsministeriums wäre es, gerade den umweltschädlichen und Klima zerstörenden Verkehr zu reduzieren, statt ihn durch weiteren Straßenbau und Milliardenaufwand zu fördern. Wie bitte will das Bundesverkehrsministerium die vom Bundestag anvisierten CO2- und Klimaschutzziele erreichen? Wir brauchen einen BVWP 2030, der uns vor der Verkehrslawine schützt, anstatt diese weiter in Fahrt zu bringen. Warum bleiben die Alternativen Fahrrad, Busse und Bahnen auf der Strecke?

Das Ziel des BVWP, klimaschädliche Abgase und Schadstoffe zu reduzieren, wird deshalb nicht erreicht. Der Ausbau der B471 führt zu einer Zunahme des Verkehrs zwischen A96, A8 und A99. Da die Durchschnittsgeschwindigkeiten steigen werden, sind deutliche Zunahmen der Emissionen zu erwarten.

8. Kosten-Nutzen-Betrachtung:

Die Kosten/Nutzen-Betrachtung ist unvollständig. Alternativen wurden nicht ausreichend betrachtet.

9. Alternativen Radfahrer, Busse und Bahnen:

Im Rahmen des BVWP 2030 sind vernünftige Alternativen zu prüfen. Aber: Wo bitte bleiben die Alternativen zum Ausbau der B471? Hat man sie geprüft, oder schiebt man einfach das weiter, was sich die Politiker vor Ort wünschen? Ist Bahnausbau nicht eine sinnvolle Lösung für Engpässe auf der Straße? Wo bleiben Verkehrsvermeidung, Verkehrsberuhigung und Verkehrsverlagerung auf den Umweltverbund? Die Milliarden wären hier gut angelegt. Kein Straßenneubau, sondern Förderung des Radverkehrs (Radschnelltrassen), Förderung des ÖPNV durch flächendeckende Buserschließung, Taktfahrpläne, Expressbuslinien, separate Busspuren, Anrufsammeltaxis, Ausbau der S-Bahn-Strecken, attraktiver 10-Min-Takt, eigene S-Bahn-Gleise. All diese Maßnahmen sucht man vergeblich im BVWP 2030. Es ist eine Schande, dass hier nicht andere umweltfreundliche Mobilitätskonzepte geprüft werden. Die Energiewende muss auch eine Verkehrswende nach sich ziehen.

Insbesondere ist die Frage, wie die Zunahme des Auto- und Güterverkehrs gebremst werden kann, nicht ausreichend berücksichtigt worden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass dieses unbegrenzte Wachstum des Verkehrs in einer Welt mit begrenzten Ressourcen die Stabilität unseres Wirtschaftssystems gefährdet. Die Verlagerung des Güteraufkommens auf die Bahn und der Ausbau des ÖPV ist nicht ausreichend betrachtet worden. Auch sind Alternativen zur Just in Time Produktion und die damit verbundene Lagerhaltung auf der Straße nicht geprüft und eine entsprechende Beteiligung der Betriebe an den Straßen- und Umweltkosten nicht betrachtet worden. Die Förderung des Fahrradverkehrs ist nur unzureichend betrachtet worden. Elektrofahrräder erleben zurzeit einen rasante Entwicklung und werden von der Bevölkerung angenommen. Durch entsprechende Gestaltung der Fahrradwege und Ausbau von Radschnellwegen kann dieser Boom genutzt werden, um einen großen Teil des beruflich bedingten Verkehrs auf diesen Verkehrsträger zu verlagern.

Zur Erreichung des Ziels des BVWP 2030, klimaschädliche Abgase und Schadstoffe zu reduzieren, sind keine Alternativen zum Ausbau der B471 geprüft worden. Hierzu gehören insbesondere

- die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene z.B. durch Ausbau der Bahnstrecke München - Lindau,

- der Bahnanschluss von Gewerbegebieten,

- der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und Verbesserung der Taktraten im Großraum München,

- eine Verbesserung der Nahverkehrsversorgung vor allem im ländlich geprägten westlichen Landkreis,

- die Einrichtung von Tangentiallinien zur Entlastung des Stadtgebiets München,

- eine Verbesserung der Taktfrequenz der Bahn auf der Strecke München – Lindau,

- regelmäßige Regionalzughalte in Fürstenfeldbruck und Mammendorf,

- Geschwindigkeitsreduzierung innerhalb der Orte,

- Verbesserung der Ampelschaltungen in den Orten (grüne Welle für Radverkehr),

- zeitweise Einschränkung des LkW-Verkehrs innerhalb der Orte,

- Tonnagebeschränkung in den Orten und im Stadtzentrum von Fürstenfeldbruck auf 7,5 to (Südumgehung der Stadt für Schwerlastverkehr) wie in anderen beispielhaften Orten (z.B. Umweltzone München, Oberschleißheim oder Dinkelsbühl).

10. Verkehrssicherheit:

Ziel des BVWP 2030 ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Zur Erreichung des Zieles sind jedoch keine Alternativen geprüft worden. Hierzu gehören insbesondere Geschwindigkeitsreduzierungen innerhalb der Orte sowie Veränderungen in der Verkehrsführung und ggf. bauliche Maßnahmen an bestehenden Kreuzungspunkten. Ob das schnellere Fahren auf der autobahnähnlich ausgebauten B471 zur Verkehrssicherheit beiträgt ist fraglich.

Thomas Brückner, VERKEHRSFORUM FFB