VERKEHRSFORUM FÜRSTENFELDBRUCK

Presse-Erklärung zum Bundesverkehrswegeplan 2030 - Projekt B2 München - Augsburg

> Projekt B002-G080-BY

Neubau Osttangente Augsburg

> Projekt B002-G060-BY

Neubau der Ortsumgehungen Mammendorf, Hattenhofen, Althegnenberg

1. Fehlende Netzfunktion:

1.1. Die B2 verläuft im Abstand von ca. 10 km parallel zur A8. Die B2 bedient genau wie die A8 die Verkehre von München nach Augsburg. Sie hat deshalb keine überregionale Bedeutung und keine Netzfunktion, da diese Funktion bereits durch die 6-streifig ausgebaute A8 bestens erfüllt ist. Dadurch erübrigt sich jeder weitere Ausbau dieser Strecke. Die Neuplanungen sind hinfällig.

1.2. Die B2 durchquert die Stadtmitte von Fürstenfeldbruck, mit einer Tonnagebeschränkung von 16 to auf der denkmalgeschützten Amperbrücke. Sollte die B2 die Funktion für Verkehre München nach Augsburg erfüllen, müsste die Stadt Fürstenfeldbruck und die Amper mit einem gigantischen Tunnelprojekt unterquert werden. Dieser Teil ist jedoch im BMVP 2030 nicht enthalten. Diese zentrale Eng- und Schwachstelle führt den Ausbau der übrigen Strecke ad absurdum.

Wir fordern deshalb …

- … die Rückstufung der B2 München-Augsburg zur Staatsstraße, und die Verlagerung der B2 auf die A8.

- … den Verzicht auf den Bau der Osttangente Augsburg.

- … den Verzicht auf jegliche weitere Neubaumaßnahmen im Bereich Mammendorf, Hattenhofen und Althegnenberg.

Die B2 wurde bereits südlich von München auf die A95 verlegt, und westlich von München liegt bereits ein Teilstück auf der A99. Aktuelle Beispiele sind die Verlegung der B8 nordwestlich von Regensburg auf die parallel verlaufende A3, ferner die Verlegung eines Teilstückes der B484 auf die A3 und A4.

2. Zu geringes Verkehrsaufkommen:

2.1. Die jetzigen Verkehrsaufkommen in Mammendorf von etwas über 10.000 Fahrzeugen/Tag, in Hattenhofen und Althegnenberg deutlich darunter, erfordern keine Umgehungsstraßen. Das jetzige Verkehrsaufkommen entspricht dem täglichen Durchgangsverkehr in den meisten Kommunen im Landkreis (z.B. Eichenauer Hauptstraße mit 14.000 Fahrzeugen/Tag), zumal es sich vorwiegend um Verkehr zu den Stoßzeiten am Morgen und am frühen Abend handelt. In der dazwischen liegenden Zeit ist das Verkehrsaufkommen wesentlich geringer und durchaus erträglich. Die Stoßzeit, in der alle zur gleichen Zeit fahren wollen, darf nicht zum Maßstab für den Straßenbau werden!

2.2. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass ein Großteil des Verkehrs hausgemacht ist (Binnen-, Ziel- und Quellverkehre), und deshalb Umgehungsstraßen die Orte nur geringfügig entlasten.

3. Guter Ausbaustandard:

Die Ortsdurchfahrten in allen Orten weisen einen guten Ausbaustandard auf, mit großen Fahrbahnbreiten, keinen Engstellen und keinen Hindernissen. Sie sind ausreichend leistungsfähig für das bestehende und in näherer Zukunft zu erwartende Verkehrsaufkommen.

4. Flächenversiegelung, Naturzerstörung, Artensterben:

Die geplanten, z.T. mehrere Kilometer langen Ortsumfahrungen führen …

- zu einer weiteren Versiegelung von bisherigen Natur- und landwirtschaftlichen Flächen,

- zur Zerstörung unserer Kulturlandschaft und Heimat,

- zur Zerstörung unserer wohnortnahen Erholungsflächen,

- zur Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen,

- zum weiteren massiven Artensterben in unserem Lande.

Das Ziel des BVWP 2030, den zusätzlichen Flächenverbrauch zu begrenzen, wird durch die Neuplanungen nicht erreicht. Durch neue Trassen einschl. der damit verbundenen Anschlussstellen, Versorgungsflächen, Schallschutzflächen etc. wird eine enorme Fläche von über 40 ha verbraucht. Für Landwirtschaft, Naherholung und ökologische Flächen steht damit bereits jetzt kaum noch Boden zur Verfügung und diese Situation würde durch die geplanten Neutrassierungen und Engpassbeseitigungen weiter deutlich verschärfen.

Durch die Bodenversiegelung müssten zudem in erheblichen Maße Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden. Diese sind in der Region nicht vorhanden. Sofern sie vorhanden sind, müssten sie von den Landwirten erworben werden. Sie gehen damit der landwirtschaftlichen Nutzung verloren. Dadurch wird die Existenzgrundlage zahlreicher ortsansässigen Bauern bedroht.

Das Ziel des BVWP 2030, den Verlust von unzerschnittenen Räumen soweit wie möglich zu verhindern, wird nicht erreicht. Der Lech, seine Uferbereiche und die unmittelbar daran angrenzenden Flächen sind ein wichtiger Korridor, der die Ökosysteme der Alpen mit denen des Donauraumes verbindet. Durch die Begradigung des Lechs, die intensive Stromgewinnung und durch Versiegelung des Bodens entlang des Lechs ist dieser Korridor bereits jetzt nur noch in Teilbereichen vorhanden. Es ist daher erklärtes Ziel von Behörden und Naturschutzverbänden der Region, entlang des Lech einen Biotopverbund zu schaffen, der zumindest ansatzweise die ursprüngliche am Lech typische Flora und Fauna wiederherstellt und die Ökosysteme vernetzt. Zurzeit sind nur vereinzelte Inseln vorhanden, wie die Kissinger Heide oder die Kissinger Bahngruben. Durch die geplante Trasse, die auf einer Länge von mehr als 20 km genau durch dieses Gebiet führt, wären diese Ziele nicht mehr zu verwirklichen.

Südlich von Augsburg befindet sich eines der größten Trinkwasserschutzgebiete Europas, aus dem ca. 300.000 Menschen versorgt werden. Entsprechendes gilt für die Brunnen der Gemeinde Kissing. Die geplante Osttangente würde über 10 km mitten durch dieses Gebiet führen. Durch den Bau der Straße, Schadstoffemissionen der Fahrzeuge und durch Unfälle kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Trinkwasser erheblich kontaminiert wird.

5. Städtebau, Naherholung, Tourismus:

Die Gebiete westlich und östlich vom Lech sind aus städtebaulicher Sicht unverzichtbare und wichtige Naherholungsbereiche für die umliegenden Kommunen, einschl. der Stadt Augsburg, sowie für zahlreiche Besucher aus anderen Regionen, genauso wie der ländlich geprägte Westen des Landkreises Fürstenfeldbruck der Naherholungsraum für den städtisch verdichteten östlichen Landkreis darstellt. Wichtige, auch überregionale Fahrradrouten wie z.B. die „Romantische Straße“ führen mitten durch diese Region und stellen einen wichtigen Faktor des Tourismus dar. Die Naherholungsbereiche werden intensiv von Gemeinden beworben, um Neubürger zu motivieren, sich in der Region niederzulassen. Die Funktion als Naherholungsraum würde durch die Osttangente, die auf ganzer Länge durch dieses Gebiet führt, und die drei Ortsumfahrungen extrem gefährdet. Die von der Osttangente unmittelbar betroffenen Badeseen Mandichosee bei Mering, der Weitmannsee und Auensee in Kissing, der Thostisee und der Friedberger Baggersee, der Derchinger Baggersee, das Freizeitgelände Mammendorf und das Pucher Meer in FFB werden im Sommer von Zehntausenden von Badegästen besucht. Der Erholungswert dieser Freizeiteinrichtungen hat hohe Bedeutung für die Gemeinden im Raum Augsburg und im Landkreis FFB. Er wird durch die Osttangente massiv verschlechtert.

6. Wirtschaftsförderung und Gewerbeansiedlungen:

Die Neuplanungen werden u. a. damit begründet, dass Gewerbegebiete erschlossen werden sollen und das Wirtschaftswachstum unterstützt werden soll. Dem wird widersprochen. Die Region ist durch eine sehr niedrige Arbeitslosenquote und nahezu Vollbeschäftigung ausgezeichnet. Anstatt weiteres Wachstum in eine ohnehin bereits bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastete Boomzentren zu bringen, muss die Alternative geprüft werden, ländliche, von Abwanderung gekennzeichnete Regionen wie z.B. die Oberpfalz, zu fördern.

7. Verkehrszunahme mit zusätzliche Lärm- und Schadstoff-Belastung:

„Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“ Die Umgehungsstraßen werden mehr Verkehr anziehen, mehr Verkehr, als bisher durch den Ort gerollt ist. Mehr Verkehr und höhere Geschwindigkeiten induzieren eine höhere Lärm- und Schadstoffbelastung im gesamten Nah- und Naherholungsbereich der Orte. Die Osttangente Augsburg induziert neuen Verkehr und verstärkt damit die Probleme im Verkehrsbereich. Die geplante Osttangente stellt eine überregionale Verbindung im Netz zwischen A96, B17, B300 und A8 her. Der Ausbau der B2 erzeugt zusammen mit der B471 eine neue überregionale Verbindung parallel zur A8 aus dem Münchner Nordwesten in den Süden von Augsburg. Diese Verbindung ist total unnötig, da diese Funktion bereits von der leistungsstarken sechsstreifigen A8 erfüllt wird. Die Neuplanungen werden daher einen erheblichen Neuverkehr induzieren, der sich auch auf die Nebenstrecken auswirken wird.

8. Falsche Verkehrsprognosen:

Der Bewertung der Neuplanungen und des gesamten BVWP liegen Verkehrsprognosen zu Grunde. Diese Prognosen werden angezweifelt. Sie schreiben aktuell lediglich Entwicklungen der Vergangenheit fort und waren in den vergangenen Jahren regelmäßig zu hoch angesetzt. Sie tragen aktuellen Entwicklungen nicht Rechnung, die zu einem geringeren Verkehrsaufkommen führen werden und insbesondere durch die Verpflichtungen der BRD im Klimaschutzabkommen mittelfristig induziert werden müssen.

9. Klimarelevanz:

Das gigantische Straßenneu- und -ausbauprogramm ist verantwortungslos. Während Industrie und Haushalte Ihre Hausaufgaben machen und CO2 reduzieren, steigt der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor ungehemmt. Die Pflicht des Bundesverkehrsministeriums wäre es, gerade den umweltschädlichen und Klima zerstörenden Verkehr zu reduzieren, statt ihn durch weiteren Straßenbau und Milliardenaufwand zu fördern. Wie bitte will das Bundesverkehrsministerium die vom Bundestag anvisierten CO2- und Klimaschutzziele erreichen? Wir brauchen einen BVWP 2030, der uns vor der Verkehrslawine schützt, anstatt diese weiter in Fahrt zu bringen. Warum bleiben die Alternativen Fahrrad, Busse und Bahnen auf der Strecke?

Das Ziel des BVWP, klimaschädliche Abgase und Schadstoffe zu reduzieren, wird deshalb nicht erreicht. Die Osttangente Augsburg und die Umfahrungen von Althegnenberg, Hattenhofen und Mammendorf führen zu einer Zunahme des Verkehrs zwischen A96, B17, A8 und A99. Da die Durchschnittsgeschwindigkeiten steigen werden, sind deutliche Zunahmen der Emissionen zu erwarten.

10. Kosten-Nutzen-Betrachtung:

Die Kosten/Nutzen-Betrachtung ist unvollständig. Alternativen wurden nicht ausreichend betrachtet.

11. Alternativen Radfahrer, Busse und Bahnen:

Im Rahmen des BVWP 2030 sind vernünftige Alternativen zu prüfen. Aber: Wo bitte bleiben die Alternativen zum Neubau der Umgehungsstraßen? Hat man sie geprüft, oder schiebt man einfach das weiter, was sich die Politiker vor Ort wünschen? Ist Bahnausbau nicht eine sinnvolle Lösung für Engpässe auf der Straße? Wo bleiben Verkehrsvermeidung, Verkehrsberuhigung und Verkehrsverlagerung auf den Umweltverbund? Die Milliarden wären hier gut angelegt. Kein Straßenneubau, sondern Förderung des Radverkehrs (Radschnelltrassen), Förderung des ÖPNV durch flächendeckende Buserschließung, Taktfahrpläne, Expressbuslinien, separate Busspuren, Anrufsammeltaxis, Ausbau der S-Bahn-Strecken, attraktiver 10-Min-Takt, eigene S-Bahn-Gleise. All diese Maßnahmen sucht man vergeblich im BVWP 2030. Es ist eine Schande, dass hier nicht andere umweltfreundliche Mobilitätskonzepte geprüft werden. Die Energiewende muss auch eine Verkehrswende nach sich ziehen.

Insbesondere ist die Frage, wie die Zunahme des Auto- und Güterverkehrs gebremst werden kann, nicht ausreichend berücksichtigt worden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass dieses unbegrenzte Wachstum des Verkehrs in einer Welt mit begrenzten Ressourcen die Stabilität unseres Wirtschaftssystems gefährdet. Die Verlagerung des Güteraufkommens auf die Bahn und der Ausbau des ÖPV ist nicht ausreichend betrachtet worden. Auch sind Alternativen zur Just in Time Produktion und die damit verbundene Lagerhaltung auf der Straße nicht geprüft und eine entsprechende Beteiligung der Betriebe an den Straßen- und Umweltkosten nicht betrachtet worden. Die Förderung des Fahrradverkehrs ist nur unzureichend betrachtet worden. Elektrofahrräder erleben zur Zeit einen rasante Entwicklung und werden von der Bevölkerung angenommen. Durch entsprechende Gestaltung der Fahrradwege und Ausbau von Radschnellwegen kann dieser Boom genutzt werden, um einen großen Teil des beruflich bedingten Verkehrs auf diesen Verkehrsträger zu verlagern.

Zur Erreichung des Ziels des BVWP 2030, klimaschädliche Abgase und Schadstoffe zu reduzieren, sind keine Alternativen zur Osttangente und zu den Orts-Umfahrungen der B2 geprüft worden. Hierzu gehören insbesondere

- die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene z.B. durch Ausbau der Bahnstrecke München - Lindau,

- der Bahnanschluss von Gewerbegebieten,

- der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und Verbesserung der Taktraten im Raum Augsburg/München,

- eine Verbesserung der Nahverkehrsversorgung zwischen Augsburg und München,

- die Einrichtung von Tangentiallinien zur Entlastung des Großraumes München,

- eine Verbesserung der Taktfrequenz der Bahn zwischen Mering/Kissing und Augsburg, und auf der Strecke München – Lindau,

- regelmäßige Regionalzughalte in Fürstenfeldbruck,

- Geschwindigkeitsreduzierung innerhalb der Orte Kissing und Friedberg auf B2 und B300, innerhalb der Orte Althegnenberg, Hattenhofen, Mammendorf und Fürstenfeldbruck auf der B2 (Pilotprojekt Tempo 20 km/h auf der Hauptstraße in FFB),

- Verbesserung der Ampelschaltungen in den Orten (grüne Welle auch für Radverkehr),

- zeitweise Einschränkung des LkW-Verkehrs innerhalb der Orte Kissing und Friedberg auf B2 und B300,

- Tonnagebeschränkung auf der B2 im Stadtzentrum von Fürstenfeldbruck auf 7,5 to (Südumgehung der Stadt für Schwerlastverkehr) wie in anderen beispielhaften Orten (z.B. Umweltzone München, Oberschleißheim oder Dinkelsbühl).

12. Verkehrssicherheit:

Ziel des BVWP 2030 ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Zur Erreichung des Zieles sind jedoch keine Alternativen geprüft worden. Hierzu gehören insbesondere Geschwindigkeitsreduzierungen innerhalb der Orte sowie Veränderungen in der Verkehrsführung und ggf. bauliche Maßnahmen an bestehenden Kreuzungspunkten.

Thomas Brückner, VERKEHRSFORUM FFB