VERKEHRSFORUM FÜRSTENFELDBRUCK

1.5.2016: Presse-Erklärung zum Bundesverkehrswegeplan 2030 - Landkreis Fürstenfeldbruck

Der BVWP (Bundesverkehrswegeplan) 2030 setzt gerade im Münchner Raum noch massiver als in der Vergangenheit auf den weiteren Ausbau der Straßen. Nahezu jede Autobahn und Bundesstraße im Raum München wird um mehrere Spuren verbreitert. Dabei konnte diese Straßenbaupolitik der letzten Jahrzehnte unsere Verkehrsprobleme nicht lösen und wird sie auch in Zukunft nie lösen. Diese Politik, die mit Milliardenaufwand den Autoverkehr fördert, ist seit langem gescheitert. Je attraktiver das Straßennetz ausgebaut wird, umso mehr Individualverkehr wird angezogen. Das gigantische Ausbauprogramm wird den Verkehrskollaps im Raum München nicht verhindern, sondern ihn wesentlich beschleunigen. Durch den Ausbau einer Straße ergibt sich Mehrverkehr auf anderen Zubringerstraßen. Durch Beseitigung einer Engstelle, ergeben sich durch die Verkehrszunahme neue Engstellen an anderer Stelle. München wird im motorisierten Verkehr und steigender Feinstaubbelastung ersticken.

Und wo, bitte, bleibt eigentlich der Klimaschutz? Aus den Beschlüssen vom weltweiten Klimagipfel Paris 2015 folgt eine Reduktion des CO2-Ausstoßes im Verkehrssektor von ca. 35%. Während Industrie und Haushalte ihre Hausaufgaben machen und CO2 reduzieren, steigt dagegen der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor ungehemmt. Verkehrsminister Dobrindt vernachlässigt hier seine Aufgabe sträflich! Seine Aufgabe wäre es, Verkehr und CO2 zu reduzieren, um auf diesem Planeten überleben zu können. Seine Politik ist in erheblichem Maße für das massive Artensterben, für die Versiegelung und Zerstörung unserer Landschaft und Naherholungsflächen verantwortlich. Eine Verkehrswende, weg vom Auto und hin zum Umweltverbund und vernünftigen Mobilitätskonzepten ist deshalb eine zwingende Notwendigkeit. Wer in einer Boomregion wie München „Massen“ mobil halten will, muss konsequent in umweltfreundliche Massenverkehrsmittel investieren, muss Busse und Bahnen fördern.

Die jahrelange Kette von Negativ-Schlagzeilen zu Verbesserungen der S4 zeigt beispielhaft das zweifache Versagen der Staatsregierung, sowohl in der Verkehrspolitik als auch in der Landesplanung. Denn laut Prognosen wird der Ballungsraum München bis 2030 um weitere 280.000 Zuzügler wachsen. Bund und Land lassen es zu, ohne steuernd einzugreifen, und scheinen sich der Tragweite ihres Nichtstuns nicht bewusst zu sein. Die Schaffung von gleichwertigen Lebensbedingungen auf dem Lande zur Entlastung der Großstädte steht – wenn überhaupt - nur noch auf dem Papier. Boomregion ist zum Modewort geworden, auf das man stolz ist! Der Ausbau der umweltfreundlichen Verkehrsmittel stagniert seit Jahrzehnten und ist diesem Zuzug nicht gewachsen. Auf dem S4-Westast Pasing-FFB verkehren sogar weniger Züge als vor 25 Jahren, obwohl sich das Fahrgastaufkommen in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hat. Auf Grund der vollen Züge und dem schlechten Angebot steigen in jüngster Zeit viele Pendler nach München wieder auf das eigene Auto um. Die täglichen Auswirkungen sind dramatisch: Stehender Verkehr auf der neu ausgebauten B2 vor Puchheim, wie in früheren Zeiten. Stehender Verkehr auf der A96 vor Germering. Blockabfertigung auf der A99, dem Westabschnitt des Autobahnrings um München, vor Aubinger und Allacher Tunnel.

Die Planungen von Bund und Land in unserem Landkreis verheißen nichts Gutes, und unsere Kommunalpolitiker machen kräftig mit im Wunschkonzert des Straßenwahns: Geplant und bald gebaut werden der sechsstreifige Ausbau der A96 und der A99 West und der vierstreifige Ausbau der B471. Realisiert werden sollen eine neue vierstreifige Osttangente Augsburg, die Umgehungen von Hattenhofen und Althegnenberg, die Südumgehung Mammendorf, die Süd- und Ostumgehung Maisach, die Ostumgehung Gernlinden, die Südwestumgehung Olching. Im Gespräch sind die Südumgehung Olching, die Westumgehung Gilching, der Weiterbau der FFB 11, die B471-Untertunnelung von Grafrath, und bald wird es Überlegungen geben, die erst neu gebaute B2 von Puchheim bis zur A99 vierspurig auszubauen. Straßenbau und Naturzerschneidung ohne Ende! Geht’s noch? Vor allem die Bundesstraßen 2 und 471 sollen anscheinend zu leistungsfähigen Ausweichrouten ertüchtigt werden, wenn der Verkehr auf dem umliegenden Autobahnnetz zusammenbricht!

Unser Landkreis ist jetzt schon Spitzenreiter in der Flächenversiegelung. Diese zerstörerischen Projekte kosten hunderte Millionen unserer Steuergelder und werden Ruck-Zuck durchgeboxt. Für neue Straßen ist immer genügend Geld da, während der Ausbau des Schienenverkehrs seit Jahrzehnten verschleppt wird. Die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, die durch das Warten auf die 2. S-Bahn-Röhre in München geprägt waren, haben bei steigenden Fahrgastzahlen inzwischen eine dramatische Mangelsituation im gesamten Großraum München entstehen lassen. Der Ausbau der S4, sollten wir ihn denn noch erleben, ist bei weiterem rasanten Bevölkerungswachstum dann eh nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. In dem rein sternförmigen Netz fehlen leistungsstarke Tangentiallinien, in München z.B. der S-Bahn-Südring und S-Bahn-Nordring, aber auch außerhalb Münchens die direkten Verbindungen der Kreisstädte und Großgemeinden Starnberg, Gilching, Fürstenfeldbruck, Olching, Dachau. Die Express-Linien des Landkreises sind da ein erster positiver Schritt in die Zukunft!

Thomas Brückner

VERKEHRSFORUM FFB