VERKEHRSFORUM FÜRSTENFELDBRUCK

G) Empfehlungen an den interfraktionellen Workshop Verkehr

Fürstenfeldbruck, 05.12.2011: Konkrete Schritte im interfraktionellen Workshop Verkehr

Der interfraktionelle Workshop der Stadträte war der richtige Weg, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, und Gemeinsamkeiten über Parteigrenzen hinweg zu finden. Jedoch darf dieser Workshop nicht nur moderiert, sondern muss von Experten zielgerichtet geführt werden. Vor allem sind Experten und konkrete Konzepte gefragt, die den Stadträten Wege und Chancen aufzeigen.

1. Schritt: Ziel-Formulierung

Die Stadträte sind sich einig im Bestreben nach Verkehrsentlastung, vor allem der Innenstadt.

a) Verständnis CSU/FW:

Verkehrsberuhigung/Fußgängerzone auf 170 m Hauptstraße mit Bau der Deichensteg-Trasse nach Planung Straßenbauamt.
> Maßnahmen: Notwendigkeit einer Entlastungstrasse (Deichensteg-Trasse).
> Folge: Verdrängung des Verkehrs vor allem in die westliche Innenstadt, mit starker Belastung der Schöngeisinger Straße.

> Realisierungsmöglichkeit: Erst nach Fertigstellung der Deichensteg-Trasse, Zeitpunkt ungewiss, keine Akzeptanz in Bevölkerung.
> Kosten: Ca. 50 Mio. €.

b) Verständnis SPD/BBV/GUL/FDP:

Verkehrsberuhigung der gesamten westlichen Innenstadt mit verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen auf 500 m Schöngeisinger und 500 m Pucher Straße nach „Besserem Verkehrskonzept“ des VERKEHRSFORUM FFB, wie in den Planfällen der „Fortschreibung des Verkehrsmodells Fürstenfeldbruck“ (Stand April 2011) formuliert.
> Maßnahmen: Keine Entlastungsstraße erforderlich. Der Verkehr bleibt auf der Hauptstraße. > Folge: Bündelung des Verkehrs auf die Nord- (Marthabräustr.) und Südtrasse (Oskar-von- Miller-/Fürstenfelder Str.).
> Realisierungsmöglichkeit: Sofort nach Knotenberechnung und nach Fertigstellung der baulichen Maßnahmen Augsburger Straße, Akzeptanz in der Bevölkerung nicht geklärt.
> Kosten: Im ersten Schritt ca. 3 Mio. € für Umbau Augsburger Straße mit Knoten Marthabräukeller und Kreisel, Änderung der Beschilderung und Ampelanlagen. Im 2.Schritt ca. 2 Mio. € für verkehrsberuhigte Umgestaltungen der Schöngeisinger und Pucher Straße.

c) Ergänzende Systeme:

Beide „Konzepte“ ergänzen sich. Während mit der Umsetzung des „Besseren Verkehrskonzeptes“ sofort Erfolge erzielt werden können, schließen diese Maßnahmen eine spätere Realisierung der Deichensteg-Trasse mit Verkehrsberuhigung in der Hauptstraße nicht aus, sollten CSU/FW diese Ziele weiter verfolgen wollen.

>>> Aufgabe Workshop: Definition der Ziele

Im Falle der Umsetzung der Maßnahmen der „Fortschreibung des Verkehrsmodells Fürstenfeldbruck“ (Stand April 2011) folgt der 2. Schritt (siehe unten).
Im Falle der Ablehnung bliebe die Möglichkeit des Nichtstuns, d.h. alles so zu belassen, wie es ist, oder der Durchführung eines Wettbewerbs unter renommierten Verkehrsplanern, zur Erzielung des besten Ergebnisses für unsere Stadt.

2. Schritt: Umsetzung der Ziele des „Besseren Verkehrskonzeptes“

Die „Fortschreibung des Verkehrsmodells Fürstenfeldbruck“ (Stand April 2011) wurde von allen Fraktionen in der Stadtratssitzung vom 18.10.2011 als Arbeitsgrundlage akzeptiert. Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen des Planfalles 3, oder nur ein Teil davon, umgesetzt werden sollen.

2.1. Einjustierung des Verkehrsmodells:

Bedauerlicherweise, aber erwartungsgemäß führt das Konzept auch zu Verkehrsverlagerungen in andere Straßenzüge. Irgendwo muss ja ein Teil des aus der Innenstadt verdrängten Verkehrs hin. Belastet werden vor allem der Straßenzug nördlich der Innenstadt Augsburger, Marthabräu- und Bismarckstraße (Mehrbelastung Marthabräustr. PF 3: 4.950 Fahrzeuge = +77%), und südlich die Oskar-von-Miller und Fürstenfelder Straße (Mehrbelastung Fürstenfelder Str. PF 3: 1.250 Fahrzeuge = +7%). Die geringe Mehrbelastung auf dem südlichen Straßenzug erscheint bei relativ geringer Anzahl von Anwohnern noch akzeptabel. Die Mehrbelastung auf dem nördlichen Straßenzug betragen jedoch in der Marthabräustr. +77% und in der Bismarckstr. +42% (jeweils Mittelwerte). Der Umgang mit diesen Werten könnte zum Knackpunkt des ganzen Modells werden.

Die Höhe der Mehrbelastungen kann natürlich in gewissem Rahmen „einjustiert“ werden. Die Prüfung des Verkehrsmodells hat uns auch aufgezeigt, wo die „Stellschrauben“ zur Feinjustierung des Modells liegen. Die eingeplanten Widerstände in der westlichen Innenstadt können z.B. in bescheidenem Rahmen wieder gelockert werden. Der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich in der Schöngeisinger Straße wurde fehlerhaft mit einer Länge von ca. 1.000m gerechnet. Vom VERKEHRSFORUM FFB waren ca. 500m geplant. Dadurch reduzieren sich die Mehrbelastungen der Marthabräu und Bismarckstraße.

Als Zielmarke wären Verkehrsbelastungen von jeweils 2.500 Fahrzeugen in der Schöngeisinger und Pucher Straße nach unserer Überzeugung mit den verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen vereinbar. Die Fahrzeugbewegungen werden sowieso durch City-Point bzw. die zukünftige Viehmarktbebauung vorhanden sein. Die von uns geschätzte Mehrbelastung der Marthabräustr. im PF 3 würde dann „nur noch“ 2.100 Fahrzeuge (+33%) betragen, die Gesamtbelastung also bei 8.500 Fahrzeugen liegen.

Die Mehrbelastung der Bismarckstr. könnte durch eine Einbahnregelung (in Richtung Westen) zusätzlich deutlich reduziert werden. Der Verkehr (Richtung Osten) würde dann über die wenig belasteten äußere Pucher und die Puchermühlstr. verlaufen.

>>> Aufgabe Stadtrat: Beauftragung Hr. Lademacher zur Feinjustierung

 

2.2. Knotenberechnung und Verkehrssimulation:

Dorsch-International (DI) empfiehlt im Fazit weitere vertiefende Untersuchungen. Wir schließen uns dieser Empfehlung an. Es geht um Berechnung der Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte, die bisher noch nicht berechnet wurden. Während in der Hauptstraße durch die Entlastungswirkung des Konzepts positive Effekte zu erwarten sind, liegen die kritischen Stellen in der Belastungsgrenze des Kreisels in der Augsburger Straße Ecke Philipp-Weiß-Straße und an der Kreuzung Augsburger / Marthabräustraße. Geprüft werden muss natürlich das vorher feinjustierte Modell (siehe Punkt 2.1.).

Sowohl für den Kreisel, als auch für die Umgestaltung der Kreuzung Augsburger / Marthabräustraße (mit separaten Linksabbiegespuren) liegen der Stadtverwaltung Vorschläge des VERKEHRSFORUM FFB vor. Durch die Verschiebung des Kreisels Richtung Gerblpark kann der Kreiseldurchmesser ausreichend groß und für die zu erwartende Belastung ausgelegt werden.

Hier können evt. weitere flankierende Maßnahmen erforderlich werden, die wir gerne bereit sind zu diskutieren. Vorstellbar ist z.B die Verkehrsberuhigung der inneren Maisacher Straße oder Einbahnregelung stadtauswärts zur Entlastung des Kreisels.

>>> Aufgabe Stadtrat: Beauftragung eines geeigneten Ingenierbüros zur Knotenberechnung und Verkehrssimulation

 

2.3. Öffentlichkeitsbeteiligung und Überzeugen der Geschäftsleute:

Bei der Öffentlichkeitsbeteiligung geht die Stadt Freising vorbildlich voran. Ein Blick über die Landkreisgrenze ist auf jeden Fall lohnenswert, vor allem das erarbeitete „Entwicklungskonzept“. Hier ein Auszug aus der Homepage der Stadt Freising unter Rubrik „Zukunftsfähige Innenstadt“:

Innenstadt Freising: Planungsprojekt mit Bürgerbeteiligung

Innenstadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe

Die Innenstadt ist Herz und Seele einer Stadt zugleich. Ist die Innenstadt gesund, ist es der Gesamtorganismus, d.h. die Gesamtstadt auch. Von der Entwicklung und Verbesserung der Innenstadt profitieren daher alle.

Für eine zukunftsfähige und bürgernahe Innenstadt hat Freising daher im Städtebauförderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ ein umfangreiches Planungsprojekt angestoßen. Im Sinne einer gemeinsamen Standortverantwortung für die Innenstadt wurden Immobilieneigentümer, Unternehmer und Bewohner in besonderem Maße in den Planungsprozess eingebunden, so dass ein „Integriertes Innenstadtentwicklungskonzept“ erarbeitet werden konnte.

Projektbeschreibung

Mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel in der Wachstumsregion, den regionalen Entwicklungen und der veränderten demographischen Entwicklung steht auch die Innenstadt Freisings zunehmend vor großen Herausforderungen.
Die Stadt setzt sich deshalb seit vielen Jahren intensiv mit der städtebaulichen Sanierung und strukturellen Verbesserung ihrer Innenstadt auseinander. Dabei wird die nachhaltige Profilierung, Stabilisierung und Standortaufwertung speziell der Altstadt als Versorgungsschwerpunkt als eine der zentralen stadtentwicklungsplanerischen Aufgaben der kommenden Jahre angesehen.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Freising Ende 2009 ein groß angelegtes neues Projekt gestartet. Sie trifft Vorbereitungen, die Entwicklung ihrer Innenstadt mit Unterstützung des neu aufgelegten Städtebauförderprogramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ zu bewerkstelligen. Gegenüber früheren Förderprogrammen setzt dieses unkonventionelle Programm verstärkt auf eine öffentlich-private Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor und ist insofern stark auf Umsetzungsfähigkeit ausgerichtet.

Mehr Informationen

 

2.4. Umsetzung Planfälle 1 und 3 und Erstellung eines verbesserten ÖPNV- Konzepts:


Während die PF 2.1-2.5 konkret zu rechnende Maßnahmen sind, die in PF 2.6 zusammengefasst werden, handelt es sich bei PF 1 Verkehrsmittelwahl um eine theoretische Annahme, dass der motorisierte Individual-Verkehr (MIV) in der oberen Hauptstraße um 10% abnimmt, wenn 22% nur des motorisierten Binnenverkehrs bis 2025 (Prognosezeitraum des Gutachtens) auf Fahrräder und Busse umsteigen, oder wieder mehr zu Fuß gehen. Diese Annahme macht sich in etwa im 10%-Rahmen in allen Werten in der Stadt bemerkbar, und unterscheidet die Ergebnisse von PF 2.6 (Berechnung) und PF 3 (Theorie). Der Verkehrsplaner Hr. Lademacher tut in seinem Schreiben vom 15.07.2011 den PF 3 als „unrealistisch“ ab!

Das VERKEHSFORUM FFB geht jedoch davon aus, dass bis 2025 nicht nur der motorisierte Binnenverkehr (Ziel und Quelle im Stadtgebiet) umsteigt, sondern dass in gleichem Maße auch der Ziel- und Quellverkehr (Ziel oder Quelle im Umland) in und aus der Stadt abnimmt. Da beide Verkehrsanteile in unserer Stadt etwa gleich groß sind, sehen wir jeweils 11% Umsteiger bis 2025 als durchaus realistisch an. Die Stadt FFB hat ja bereits mit der Verabschiedung des Radverkehrsplanes 2010 das Ziel beschlossen, (nur allein) den Fahrradverkehr um 11% zu steigern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich sowohl unsere Stadt und als auch der Landkreis und das Umland in den nächsten Jahren verstärkt der Förderung des Umweltverbundes widmen. Das Fußgängernetz wird durch verkehrsberuhigte Zonen und Fußgängerzonen ständig attraktiver, das Radverkehrsnetz wird kontinuierlich weiter komplettiert und verbessert, und das Angebot des ÖPNV wird qualitativ und quantitativ vergrößert. Nur so geht’s.

Die seit Jahren zu beobachtende Entwicklung von ständig steigenden Fahrgastzahlen im ÖPNV sprechen für sich, und werden mit zunehmender Überalterung unserer Gesellschaft, zunehmender Armut von wachsenden Bevölkerungsschichten und steigenden Energiepreisen sich zwangsläufig weiter nach oben entwickeln. Man darf nicht glauben, dass sich jeder bis 2025 ein teures Elektro-Auto leisten kann, und die Steigerungsraten des MIV ins Unendliche wachsen. Und es gibt immer mehr junge Familien, die bewusst umdenken, und den Schritt zu

Carsharing oder einem autofreien Leben wagen. Auch der Fahrradverkehr boomt seit Jahren. Es ist schick, ein flottes Bike zu fahren. Und die massenhafte Entwicklung des E-Bikes gibt dem Fahrradverkehr einen kräftigen und für viele unerwarteten Schub. Vor allem Senioren steigen vom Auto auf E-Bike um. Bis 2025 wird da noch viel passieren, was wir uns heute noch gar nicht träumen lassen!

Gerade die Umkehrung der von den Verkehrsplanern propagierten ständig zunehmenden Verkehrslawine ist doch die Herausforderung der Zukunft, der wir uns nicht machtlos ergeben und klein beigeben, sondern konstruktiv entgegenstellen müssen. Das VERKEHRSFORUM FFB hat den Anspruch, sich dieser Herausforderung zu stellen, und erwartet dies auch von den öffentlichen Stellen in Stadt und Landkreis, und deren beauftragten Planern. Von wegen unrealistisch! Wir sehen deshalb PF 3 weiterhin als realistische Grundlage unserer Betrachtungen an.

Wenn Hr. Lademacher in der alten, machtlosen Ergebenheitsrolle fest hängt, nur die zunehmende Verkehrslawine zu verwalten, und nicht fähig ist Zukunftsvisionen zu denken und kreativ neue Lösungen zu entwickeln, dann fragen wir uns, ob er der richtige für unsere Stadt sein kann. Wir hatten immer empfohlen, externe Verkehrsexperten hinzuzuziehen, die seit Jahren Referenzen in Sachen Verkehrsberuhigung und Zukunftsfähigkeit haben, wie z.B. Prof. Hans-Henning von Winning / Oberstaufen, Jörg Thiemann-Linden / Köln oder Paul Bickelbacher / München.

>>> Aufgabe Workshop: Zustimmung zum Ziel der Verkehrsreduzierung durch Verkehrsmittelwahl (PF1 und 3) und Suche nach geeigneten Verkehrsplanern

>>> Aufgabe Stadtrat: Prüfung der Referenzen und Beauftragung geeigneter Verkehrsplaner zur Erstellung eines verbesserten ÖPNV-Konzeptes

Thomas Brückner, VERKEHRSFORUM FFB