VERKEHRSFORUM FÜRSTENFELDBRUCK

5. Verkehrslenkungs- und –beruhigungskonzept Innenstadt

Forderung:

  • Verkehrslenkung und Verkehrsberuhigung in der Innenstadt.
  • Fernhalten von ortsfremdem Verkehr.
  • Beschleunigung des Verkehrsflusses auf der Hauptstraße (Stauvermeidung).
  • Verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche in Schöngeisinger und Pucher Straße (Tempo 15).
  • Straßenraum als städtischer Lebensraum zum Shoppen, Bummeln, Verweilen, ...
  • Fußgängerzone Viehmarkt, Viehmarktstraße und Ludwigstraße.
  • Fußgängerwegenetz mit Durchgängigkeit der Hinterhöfe.
  • Fußwegeverknüpfungen mit Volksfestplatz, Innenstadt Ost und Lände.
  • Neuordnung und Beschleunigung des ÖPNV in der Innenstadt.

Situation:

  • Die häufig verwendete Bezeichnung "Verkehrschaos" in unserer Innenstadt halten wir für deutlich übertrieben. Es kommt wie in allen Städten zu zeitweisen Behinderungen vor allem dann, wenn alle zur gleichen Zeit Auto fahren wollen oder müssen (Spitzenzeiten). Trotzdem halten wir die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, und die Verkehrssicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer für dringend verbesserungswürdig. Um auf diesen Gebieten eine deutliche und dauerhafte Verbesserung herbeizuführen, halten wir eine grundlegende Änderung der Verkehrslenkung gerade in der westlichen Innenstadt für angebracht, unabhängig davon, ob die B2 aus der Innenstadt verlagert wird oder nicht. Dabei sind gewisse Umwegigkeiten für den motorisierten Verkehrteilnehmer unvermeidbar und aus unserer Sicht auch zumutbar.

5.01. Ursachen der Verkehrstaus auf der Hauptstraße

Staus gibt es zeitweise in beiden Fahrtrichtungen auf der Hauptstraße. Außer der starken Verkehrsbelastung gibt es weitere Ursachen, warum sich der Verkehr staut:

5.01.01. Parksuchverkehr

Solange auf der Hauptstraße Parkplätze und Anlieferungsstreifen angeboten werden, wird der Parksuchverkehr auf der Hauptstraße den übrigen Verkehr behindern.

Forderung:

  • Keine Parkplätze auf der Hauptstraße!

5.01.02. Ein-/Auspark-Verkehr

Das ständige rückwärts Ein- und wieder Ausparken bringt immer wieder den gesamten Verkehrsfluss zum Erliegen.

Forderung:

  • Keine Parkplätze auf der Hauptstraße!

5.01.03. Anlieferverkehr auf der Fahrbahn

Da die Anlieferungsstreifen häufig durch Falschparker belegt sind, kommt es mehrmals täglich vor, dass die Anliefer-LKWs auf der Fahrspur zum Entladen halten, und damit den fließenden Verkehr behindern.

Forderung:

  • Anlieferung weg von der Fahrbahn auf die Fußgängerbereiche!

5.01.04. Radfahrer auf der Fahrbahn

Aus Sicht der Verkehrssicherheit gehören die Radler innerorts auf die Fahrbahn. Durch fehlende Radfahrstreifen werden sie aber oft zum "Hindernis" für den motorisierten Verkehr.

Forderung:

  • Beidseitige Radfahrstreifen auf der Hauptstraße!

5.01.05. Unwirtschaftliche Ampelphasen

Hier wollen wir einen Punkt ansprechen, der nach unserer Meinung bisher zu wenig Beachtung fand. Der Verkehrsfluss wird wesentlich durch die Ampelphasen leider derzeit negativ beeinflusst.

5.01.05.1. Beispiel Ampel Dachauer/Augsburger Straße:

Es kommt immer wieder zu Staus vor der Ampelanlage. Vor allem der Stau auf der Hauptstraße Richtung Rathaus wirkt sich negativ auf das Verkehrsgeschehen aus, da dieser bis über die Kreuzung Schöngeisinger/Kirchstraße zurückreicht, und andere Verkehrsbeziehungen behindert. Die Ampelanlage an der Dachauer/Augsburger Straße verfügt derzeit über drei Ampelphasen:

  1. Grünphase B2 (Hauptstraße-Augsburger Str.),
  2. Grünphase Abbiegeverkehr in die Pucher und Dachauer Straße,
  3. Grünphase Abbiegeverkehr von der Dachauer in die Hauptstraße.

Bei der Beurteilung der Phasen ist festzustellen, dass Phase 3. die unwirtschaftlichste ist, da hier bis auf eine Abbiegebeziehung alle anderen Verkehrsströme zum Erliegen kommen.

Forderung:

  • Wegfall von Phase 3. der direkten Zufahrt von der Dachauer in die Hauptstraße, durch Rechtsabbiegegebot in der Dachauer Straße. Der Verkehr fließt dann von der Dachauer Straße kommend ausschließlich die Augsburger Straße stadtauswärts, und kann über einen neu zu errichtenden Kreisel in Höhe Philipp Weiss Str. wenden und Richtung Hauptstraße zurückfahren. Dadurch werden wesentliche Zeitspannen für die Verlängerungen der Phasen 1. und 2. gewonnen.

5.01.05.2. Beispiel Ampel Schöngeisinger/Kirchstraße:

Auch hier kommt es immer wieder zu Staus. Vor allem der Stau auf der Hauptstraße Richtung Bahnhof wirkt sich negativ auf das Verkehrsgeschehen aus, da dieser bis über die Kreuzung Augsburger/Dachauer Straße zurückreicht, und andere Verkehrsbeziehungen behindert. Die Ampelanlage an der Schöngeisinger/Kirchstraße verfügt derzeit ebenfalls über drei Ampelphasen (siehe Anlagen):

  1. Grünphase Schöngeisinger/Kirchstraße,
  2. Grünphase B2 Hauptstraße, 
  3. Grünphase Abbiegeverkehr von der Hauptstraße in die Schöngeisinger Straße.

Bei der Beurteilung der Phasen ist festzustellen, dass Phase 3. die unwirtschaftlichste ist, da hier bis auf eine Abbiegebeziehung alle anderen Verkehrsströme zum Erliegen kommen.

Forderung:

Wegfall von Phase 3. der Linksabbieger von der Haupt- in die Schöngeisinger Straße. Der Verkehr Richtung Westen wird dann über die Pucher Straße geführt. Dadurch werden wesentliche Zeitspannen für die Verlängerungen der Phasen 1. und 2. gewonnen.

Die Phasenverlängerungen werden in beiden Fällen zur Reduzierung/Auflösung der Staus, einem besseren Verkehrsfluss und einer höheren Aufenthaltsqualität in der Innenstadt führen.

Für Busse und Radler sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die eine Umwegigkeit ausschließen (Bus-, Radlerfurt oder dergleichen).

5.02. Folgerungen aus vorherigen Maßnahmen

Aus den vorherigen Maßnahmen ergeben sich folgerichtig weitere Verkehrslenkungs-Maßnahmen für die westliche Innenstadt (siehe Planzeichnung unten):

5.02.01. Einbahnstraßen-Konzept Schöngeisinger und Pucher Straße:

Durch die vorherigen Änderungen der Ampelphasen ergibt sich folgerichtig eine Verlagerung des Linksabbiegeverkehr aus der Hauptstraße von der Schöngeisinger (Wegfall Abbiegephase 3.) in die Pucher Straße (Verlängerung der Abbiegephase 2.). Wiederum folgerichtig daraus empfiehlt sich die Pucher Straße als Einbahnstraße stadtauswärts, die Schöngeisinger Straße als Einbahnstraße stadteinwärts umzugestalten.

Um Umwegigkeiten, die mit Einbahnstraßen zwangsläufig einher gehen, so gering wie möglich zu halten, erscheint es sinnvoll, die Ausweisung der Einbahnstraßen auf das, für den Verkehrsfluss in der Hauptstraße notwendige Minimum zu reduzieren. Das heißt, die Pucher Straße wird (zumindest vorerst) nur zwischen Haupt- und Aumiller Straße zur Einbahnstraße, die Schöngeisinger Straße nur zwischen Haupt- und Ledererstraße.

Für den Radverkehr sind jeweils Fahrspuren in Gegenrichtung einzuplanen. Trotzdem können durch die Umgestaltung attraktivere Fußgängerbereiche als bisher gewonnen werden.

Eine Umdrehung der Einbahnstraßenregelungen, wie als Alternative vom Regionalen Planungsverband vorgelegt, würde eher zu Verschlechterungen des Verkehrsflusses in der Hauptstraße führen. Zudem ist ein Einfahren von der Pucher Straße direkt in die Dachauer und Augsburger Straße unmöglich.

5.02.02. Einbahnstraßen-Konzept im Bereich Landsberger und Holzhofstraße

Zur Entflechtung der Verkehrsströme an den Kreuzungen Landsberger/Holzhofstraße und Schöngeisinger/Holzhofstraße empfiehlt sich, die Einbahnstraßen-Regelung auch in diesem Bereich westlich der Puchermühlstraße einzuführen, d.h. Aicher und Wernher von Braun Str. Einbahnstraße stadtauswärts, Schöngeisinger Straße stadteinwärts. Der innere Abschnitt der Landsberger Straße wird als verkehrsberuhigter Bereich umgebaut.

5.03. Zusätzliche Verkehrsberuhigung Innenstadt

Die Einbahnstraßenregelung in der Schöngeisinger und Pucher Straße alleine schafft eine gewisse Verkehrsentlastung für die Innenstadt. Denn das Durchfahren der Innenstadt wird etwas unattraktiver, und wird ortsfremden Verkehr abhalten. Jedoch wird die Entlastung durch geringe Umwegigkeiten wieder aufgehoben. Die Einbahnstraßenregelungen bewirken statt dessen vor allem auf der Hauptstraße eine Beschleunigung des Verkehrsflusses. Ein zusätzlicher verkehrsberuhigender Effekt wird durch den Wegfall des Parksuchverkehrs erreicht.

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Will man weitergehende Wirkungen erzielen, so empfehlen sich sogenannte "verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche" in Schöngeisinger und Pucher Straße, die nur noch in Fahrradgeschwindigkeit mit 15 km/h zu durchfahren sind. Die Straßenräume, die bisher jegliche Aufenthaltsqualität vermissen lassen, werden so umgestaltet, dass der „optische Durchschuss“, der durch ein geradlinig durchlaufendes Asphaltband zum motorisierten Verkehr Vorrang einräumt, aufgehoben wird.

Der gesamte Straßenraum soll einheitlich gestaltet, gepflastert und begrünt werden. Randsteine sollen möglichst verschwinden. Es soll eine Abfolge von Plätze und Zonen unterschiedlicher Aufenthaltsqualität entstehen. Der städtische Straßenraum muss wieder für Fußgänger erlebbar werden, soll einladen zum Shoppen, Bummeln, Verweilen, Einkehren und Diskutieren. Durch die geringe Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs werden die Straßen auch für Kinder und ältere Menschen ohne Ampel und Zebrastreifen überquerbar, Radfahren wieder sicherer.

Viehmarkt, Viehmarktstraße und ein Teil der Ludwigstraße als Fußgängerzone, die von Radfahrern befahren werden darf, liegen zentral zwischen den beiden verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen. Ein attraktives Fußgänger- und Radwegenetz mit Durchgängigkeit der Hinterhöfe verknüpft auf ideale Weise alle Geschäftsbereiche, einschl. der Hauptstraße. Fuß- und Radwegeverbindungen strahlen sternförmig in alle Richtungen aus, zum Volksfestplatz, zur Innenstadt Ost und über Aumühle und Lände bis zum Kloster. Mit diesem Konzept ist deutlich mehr an Innenstadt gewonnen als mit einer 150 m langen Fußgängerzone auf der Hauptstraße.

5.04. ÖPNV-Konzept Innenstadt

Situation:

  • Die Buslinien, die sternförmig in der Innenstadt zusammenlaufen und durch diese zum S-Bahnhof verlaufen, leiden unter den zeitweisen Staus, und können dadurch z.T. die Anschlüsse an die S-Bahn nicht gewährleisten. Behinderungen treten nicht nur in der Hauptstraße, sondern auch in der Dachauer und Münchner Straße und am Leonhardi Platz auf. Vor allem hier gestaltet sich die Einfahrt in die vielbefahrene B2 als problematisch und zeitaufwändig.
  • Ferner ist die Innenstadt durch nur wenige Haltestellen erschlossen. Diese fehlen am Rathaus, in der Pucher Straße und am Leonhardi Platz. Wer aus dem Brucker Norden ins Rathaus will, fährt erst mal daran vorbei, um dann wieder 250 m zurückzulaufen. Busse, die vom S-Bahnhof FFB kommen und Richtung Buchenau verkehren, halten auf der Hauptstraße gar nicht, sondern erst am Viehmarkt. Umsteigenden Fahrgästen aus der Hauptstraße werden Fußmärsche zum Viehmarkt zugemutet.

Neue Linienführung und neue Haltestellen Innenstadt:

  • Zur Attraktivitätssteigerung in der Innenstadt wird die Linienführung und die Dichte der Haltestellen verändert. Wie sich aus dem vorherigen Einbahnstraßenkonzept ergibt, fahren die Buslinien von der Buchenau kommend wie bisher die Schöngeisinger Straße stadteinwärts. Hier bietet sich eine Haltestelle am neuen City-Center auf dem Uhlgrundstück an. In Richtung Buchenau fahren die Busse in Zukunft die Hauptstraße hinauf bis zum Rathaus und dann links über die Pucher Straße stadtauswärts. Der Bereich Pucher Straße kann durch zwei neue Haltestellen (Viehmarkt und Puchermühlstraße) attraktiv erschlossen werden.
  • Weitere Haltestellen sind in der inneren Augsburger Straße und am Leonhardi Platz angedacht.

Zentraler Umsteigebahnhof Innenstadt:

  • Durch die neue Linienführung ergibt sich ein entscheidender Vorteil für die Fahrgäste. Denn alle Linien haben jetzt in der Hauptstraße eine gemeinsame Haltestelle, einen zentralen Umsteigebahnhof (ZUB). An diesem Punkt können die Fahrgäste aus jeder Linie in jede andere Linie umsteigen.

Beschleunigung der Busse in der Innenstadt:

  • Durch die vorherigen Maßnahmen des Verkehrslenkungs- und –beruhigungskonzept für die Innenstadt gehen wir davon aus, dass sich der Verkehr auf der Hauptstraße verflüssigt, und die Busse nicht im Stau stehen müssen.
  • Durch die Änderung der Verkehrsführung Ecke Augsburger/Dachauer Straße gehört auch hier der Stau der Vergangenheit an. Während der motorisierte Verkehr aus der Dachauer Straße nach rechts in die Augsburger Straße abfließt, erhält der Bus (zusammen mit Radfahrern und Taxis) eine eigene Geradeausspur mit evt. funkgesteuerter Ampelschaltung zur direkten Einschleusung in die Hauptstraße.
  • Die Buslinien, die vom S-Bahnhof FFB Richtung Innenstadt fahren, sollen bereits an der Kreuzung Bahnhof-/Oskar-von-Miller-Straße eine funkgesteuerte Vorrangschaltung erhalten, damit sie ohne Halt stadteinwärts fahren können. Auch am Leonhardi Platz an der Einmündung in die B2 empfiehlt sich die Installation einer funkgesteuerten Ampelanlage zum bevorrechtigten Einschleusen der Busse. Damit die Busse bei Grün auch einfahren können, sollte hier eine - durch in die Fahrbahn eingelassene Induktionsschleifen gesteuerte – „Staufrei-Zone“ von der Amperbrücke bis zur Einmündung Fürstenfelder Straße eingerichtet werden. Im Falle eines Staus in diesem Bereich würde die neue Ampel auf der Münchner Straße vor dem Leonhardi Platz kurzzeitig auf Rot schalten, und damit immer einen Bereich zum Einfahren der Busse freihalten. Damit diese Einrichtung nicht vom motorisierten Individualverkehr als Schleichweg missbraucht wird, sollte die Fürstenfelder Straße stadteinwärts für den Individualverkehr gesperrt werden (außer Radfahrer und Taxis). Der Individualverkehr wird über die Hans-Sachs-Straße und den Stockmeier Weg stadteinwärts geführt (siehe auch neue Tempo 30 Zone in diesem Gebiet).

Forderung:

  • Errichten eines Parkleitsystems zur Vermeidung von unnötigem Parksuchverkehr in der Innenstadt und unnötigen Belastungen von Wohnquartieren durch Zufahrten von Parkgaragen
    • als Parkraumkonzept mit ausschließlichem Anschluss an überörtliche- oder Erschließungsstraßen.
    • zur Parkraumbewirtschaftung.
    • zur Parkraumüberwachung.
  • Errichtung eines Parkdecks auf dem Volksfestplatz als zentraler City-Parkplatz mit Anfahrt über Augsburger und Marthabräustraße, und direkter Fußgängerverbindung zur Hauptstraße über Rathaushof.

Situation:

  • Stadtrat und Stadtverwaltung fehlt sowohl der Wille als auch ein vernünftiges Konzept, den Parksuchverkehr aus der überlasteten Innenstadt fernzuhalten und gezielt auf verträglichere Standorte zu leiten. Bestes Beispiel dafür sind die Parkplätze in der Hauptstraße. Diese ca. 30 Parkplätze wechseln ca. 30 mal am Tag den Benutzer. Das ergibt ca. 1.000 Fahrzeuge pro Tag. Geht man davon aus, dass etwa doppelt so viel Fahrzeuge hier einen freien Parkplatz suchen aber nicht finden, sind das zusammen 3.000 Fahrzeuge am Tag oder 15% der Verkehrsbelastung in der Hauptstraße!